1. März 2025
KI-Kompetenzpflicht: Was KMUs jetzt wissen müssen
Worum geht es?
Seit dem 2. Februar 2025 ist Artikel 4 der EU-KI-Verordnung anwendbar. Er verpflichtet Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen oder bereitstellen, dafür zu sorgen, dass ihre Mitarbeitenden über ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz verfügen.
Das klingt zunächst abstrakt, hat aber ganz konkrete Auswirkungen auf Ihren Arbeitsalltag.
Was bedeutet „KI-Kompetenz"?
Wichtig vorweg: Die Pflicht bedeutet nicht, dass jedes Unternehmen eine einheitliche Standardzertifizierung erwerben muss.
Gefordert ist vielmehr, dass Unternehmen nach besten Kräften für ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz bei Mitarbeitenden und weiteren Personen sorgen, die in ihrem Auftrag KI-Systeme nutzen oder betreiben.
Die Maßnahmen sollten kontextbezogen und verhältnismäßig sein. Im Kern geht es um:
- Grundverständnis: Was ist KI, wie funktioniert sie?
- Risikobewusstsein: Welche Risiken bestehen bei der Nutzung (Datenschutz, Halluzinationen, Bias)?
- Regelkenntnis: Welche internen und externen Regeln gelten?
- Praktische Kompetenz: Wie nutze ich KI-Tools sicher und produktiv?
Welche Tiefe erforderlich ist, sollte sich unter anderem an technischem Vorwissen, Erfahrung, Rolle, eingesetztem KI-System, Nutzungskontext und betroffenen Personengruppen orientieren.
Wen betrifft das?
Kurz gesagt: Jedes Unternehmen, das KI einsetzt. Und das betrifft heute die meisten, auch wenn es vielen noch gar nicht bewusst ist. Schon die Nutzung von ChatGPT, Microsoft Copilot oder automatisierten Übersetzungstools fällt unter den Anwendungsbereich.
Besonders relevant für KMUs: Die Pflicht gilt unabhängig von der Unternehmensgröße.
Nicht jede Rolle braucht jedoch dieselbe Tiefe. Mitarbeitende, die mit einem internen Textassistenten arbeiten, benötigen etwas anderes als Personen, die KI-Ausgaben in Personalentscheidungen, Gesundheitsprozessen, Kundenkommunikation oder anderen sensiblen Bereichen verwenden.
Schulung ja, aber nicht isoliert
Unterweisung ist ein zentraler Baustein, reicht allein aber selten aus. Wirksam wird KI-Kompetenz meist erst im Zusammenspiel mit:
- einem einfachen KI-Inventar,
- verständlichen Daten- und Nutzungsregeln,
- klaren Ansprechpersonen für Rückfragen im Alltag.
Ein praktisches Thema ist dabei Schatten-KI. Häufig fehlt nicht der gute Wille der Mitarbeitenden, sondern eine bekannte, sichere und praktikable Alternative für den tatsächlichen Arbeitsdruck.
Was ein KMU jetzt praktisch tun kann
- KI-Nutzung und KI-Funktionen in bestehender Software erfassen.
- Rollen und Nutzungskontexte unterscheiden.
- Praxisnahe Unterweisung und klare interne Regeln bereitstellen.
- Maßnahmen und Teilnahme nachvollziehbar dokumentieren sowie regelmäßig überprüfen.
Fazit
Die KI-Kompetenzpflicht ist kein bürokratisches Monster, verlangt aber ein strukturiertes Vorgehen. Entscheidend sind angemessene Maßnahmen, die je nach eingesetztem System und Nutzungskontext variieren und im Einzelfall geprüft werden.
Wer das pragmatisch mit Inventar, Regeln, Unterweisung und klaren Zuständigkeiten verbindet, macht Risiken sichtbar und ermöglicht gleichzeitig einen produktiven KI-Einsatz.
Quellen
- Europäische Kommission, AI literacy Q&A: https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/faqs/ai-literacy-questions-answers
- EUR-Lex, Verordnung (EU) 2024/1689 (EU AI Act): https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2024/1689/