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2. März 2025

KI-Realitätscheck: Wie ist die Lage in den Unternehmen?

Die Studie

Lange lebte der Diskurs um KI von Hörensagen, vollmundigen Versprechen der Hersteller, politischem Für und Wider. Bisher fehlten jedoch Zahlen, und Eindrücke, wie es denn tatsächlich steht um die viel beworbene Effizienzsteigerung, die Vergrößerung des Impacts des Einzelnen und der Abschaffung von müßiger Arbeit.

Nun gibt es endlich erstmals belastbare Zahlen. In der Studie "Firm Data on AI" [1] geben die Autoren Einblicke in die tatsächliche Nutzung von KI in Firmen aus den USA, dem Vereinigten Königreich, Deutschland und Australien. Und hier lauern einige Überraschungen!

Die Zahlen

Die übergreifenden Trends sind klar erkennbar und spiegeln auch den Zeitgeist. Von den Befragten - durchgängig CFOs, CEOs und andere hochrangige Führungskräfte - geben ca. 70% an, KI aktiv zu nutzen. In Deutschland immerhin 65%, womit die Bundesrepublik hier nicht das Schlusslicht bildet, sondern Australien (59%).

Interessantere Einblicke bieten hier jedoch die detaillierteren Zahlen. 29% der befragten Deutschen Unternehmen geben an, KI gar nicht zu nutzen. Bei 41% bleibt die Nutzung bei unter einer Stunde - pro Woche! Nur 30% der befragten Deutschen Unternehmen geben an, KI mehr als eine Stunde pro Woche zu nutzen. Der Durchschnitt beläuft sich dabei auf nur 1,4 Stunden pro Woche, ein erheblich geringeres Ergebnis, als beim aktuellen Diskurs denkbar ist.

Der Einfluss von KI über die letzten drei Jahre auf die Anzahl der Beschäftigten im Unternehmen fällt dabei noch ernüchternder aus. Hier geben 95% der befragten Deutschen Unternehmen an, dass keinerlei Einfluss erkennbar ist. Einen Einfluss von mehr als fünf Prozent Verringerung der Mitarbeiterzahlen sehen dabei ganze null Prozent der Deutschen Unternehmen, kumuliert ergibt sich eine fast in der Messtoleranz verschwindende Steigerung der Mitarbeiterzahlen um 0,07% im direkten Zusammenhang mt KI. Der projizierte Einfluss bemisst sich dabei auf eine ähnlich geringe Minderung von 0,06%.

Der für Unternehmer interessanteste Teil der Studie dürfte sich jedoch im Einfluss von KI auf die Produktivität finden. Hier geben satte 91% der Deutschen Unternehmen an, keinen Einfluss von KI auf die allgemeine Produktivität der vergangenen drei Jahre feststellen zu können. Immerhin 6% sehen einen kleinen Einfluss (>5% der Produktivitätsmetrik), und nur 2% der Deutschen Befragten sehen einen positiven Einfluss von über 5% gesteigerter Produktivität durch KI.

Die Studie hält noch viele weitere interessante Insights bereit, sie ist unten verlinkt, und ein tieferer Blick lohnt sich definitiv.

Die Fragen

Diese Zahlen, obwohl in vielerlei Hinsicht ernüchternd, geben jedoch wichtige Impulse. Zum Einen etwas Luft zum Atmen - auch wenn die eigene KI-Einführung noch nicht durchgesetzt ist, profitieren andere Firmen zum Großteil auch noch nicht von schnell eingeführten Lösungen. Zum Anderen regen sie zum Nachdenken an. Wie stelle ich sicher, dass meine KI-Implementierung auch zur Effizienzsteigerung und damit Wertschöpfung beiträgt? Wie kann ich einem Fehlinvest vorbeugen?

Die zwei wichtigsten Faktoren dabei sind gleichzeitig denkbar einfach, werden aber oft vernachlässigt.

  1. Garbage In, Garbage Out: Einen Prozess, der schlecht läuft und allgemein für Unbehagen sorgt, mit KI zu "bewerfen" und auf Besserung zu hoffen, endet in der Regel mit einem schlecht laufenden KI-Prozess. Effektiver Berichte mit KI zu schreiben, die nicht gelesen werden, ist Arbeit für die Tonne, von KI oder Menschenhand. Daher ist vor dem Einsatz von KI zur Prozessverbesserung stets ein neutraler, nüchterner Blick auf das "Ausgangsmaterial" zu werfen. Damit können Prozesse nicht nur für KI, sondern auch allgemein optimiert werden. Die Hebung von KI-Potenzialen läuft dabei fast nebenbei.
  2. Ich weiß nur, dass ich nichts weiß: KI-Einsatz im Unternehmen ist zwingend an die Bedürfnissen und Fähigkeiten der Mitarbeiter gekoppelt. Ein Top-Down-Ansatz von "verpflichtender KI-Nutzung" ist dabei genau so fehlgeleitet wie Totalverbote. Hier ist es wichtig, sich der eigenen Perspektive bewusst zu sein, und auf die Nutzer zu hören, zukünftige wie alte Hasen. Insbesondere bietet sich hier ein Key-User-Konzept an, bei dem besonders aktive KI-Nutzer der Belegschaft als Ansprechpartner und "Anwälte" für KI-Einsatz im Unternehmen agieren.

Fazit

KI im Unternehmen ist ein schwieriges Unterfangen. Zu schnell lässt man sich überrumpeln, nur wie in der Studie dann trotz hoher Lizenzkosten keinen messbaren Einfluss feststellen zu können. Gleichzeitig gilt es, am Thema zu bleiben, um die durchaus realen Potenziale im immer stärkeren Wettbewerb ausnutzen zu können. Hier lohnt sich eine fundierte, sachliche Beratung, ohne dabei dem Hype zum Opfer zu fallen. Und am allerwichtigsten - immer entspannt bleiben.

Quellen

[1] Ivan Yotzov, Jose Maria Barrero, Nicholas Bloom, Philip Bunn, Steven J. Davis, Kevin M. Foster, Aaron Jalca, Brent H. Meyer, Paul Mizen, Michael A. Navarrete, Pawel Smietanka, Gregory Thwaites, and Ben Zhe Wang, "Firm Data on AI," NBER Working Paper 34836 (2026), https://doi.org/10.3386/w34836